NACHLESE 2010

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Nachlese 2010

Nach dem dritten Anlauf hat es doch noch geklappt. Und wie!

Unsere Aufführung des Sartre-Stücks „Geschlossene Gesellschaft“ war ein voller Erfolg. Das meinte das Publikum und das meinen auch wir, die SpielerInnen, die Tänzerinnen und das Organisationsteam der Theater-AG. Trotz der Konkurrenz durch das Schulkonzert, durch den Abi-Ball und durch die Fußball-Weltmeisterschaft und trotz der stressigen Konferenz- und sonstigen Termine zum Schuljahresende haben wir es geschafft, die SchülerInnen, die Eltern und die LehrerInnen unserer Schule zahlreich in den Mousonturm zu locken.

 

Und dabei sah es im ersten Halbjahr eine Zeit lang so aus, als würde diesmal aus dem Einstudieren eines Stücks gar nichts werden. Gleich zu Beginn liefen ein paar bis dahin treue SpielerInnen davon und machten im Gallus-Theater mit statt bei uns. Außerdem meldeten sich diesmal relativ wenige neue SpielerInnen und diese tröpfelten dann nach und nach weg, als der Spielleiter seine Auswahl an Stücken vorgestellt, die Rollen gecastet und sogar schon die ersten Szenen geprobt hatte (Es ging um „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ und später um „Herr Puntila und sein Knecht Matti“). Erst mit der Wahl des dritten Stücks jedoch stellten sich ernsthaft interessierte und vor allem zuverlässige SpielerInnen ein, die dann auch am Ball blieben.

 

2009_10_Theater_Geschlossene_Gesellschaft_-_01Die Proben zu „Geschlossene Gesellschaft“ begannen also erst so richtig im zweiten Halbjahr, und zwar zuerst mit Adrian Kovac, unserem Petruchio aus „Der Widerspenstigen Zähmung“ und unserem Faust aus „Sammy.Faust“ sowie mit Delfina Hennig, unserer Marthe aus „Sammy.Faust“. Außerdem hatte sich Tasmin Carver - ebenfalls ein früheres Mitglied unserer Theater-AG - auf Anfrage des Spielleiters eingefunden. Für Delfina, die aus Zeitgründen nicht mehr weitermachen konnte, sprang dann Felicity Förster ein, die damit ihren Einstand in der Theater-AG gab.

Adrian zeigte sowohl bei den Proben als auch bei der Aufführung, welchen Erfahrungsschatz er sich in nunmehr drei Stücken angeeignet hat. Die Rolle des GARCIN in unserem Sartre-Stück hat er auf souveräne Weise interpretiert und geprägt, so dass vom Spielleiter höchstens hier und da ein paar Hinweise zu geben waren, und auch diese lediglich in Form von Ideen und Vorschlägen. Als er nach dem schriftlichen Abitur in der Lage war, in die Proben voll einzusteigen, konnten sich die beiden Mit-Spielerinnen an ihm orientieren und dabei an Sicherheit gewinnen.

 

 

 

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Tasmin Carver hatte als ESTELLE eine schwierige Aufgabe zu meistern. Denn zum einen waren ihr Text und ihre Monologe am längsten, zum anderen hatte sie eine große Bandbreite an Gefühlen darzustellen, von der naiv-unschuldigen Schönen, die irrtümlich in der Hölle gelandet sein will, bis zur grausamen Kindesmörderin, die ihren Liebhaber zum Selbstmord getrieben hat. Und dann kam natürlich hinzu, dass Tasmin zum ersten Mal auf den Brettern stand, die die Welt bedeuten. Trotzdem hat sie ihre Aufgabe mit Bravour gelöst und aus ihrer Estelle eine glaubwürdig dargestellte Figur gemacht, der sie auch eine deutliche persönliche Note mitgeben konnte.

 

 

 

2009_10_Theater_Geschlossene_Gesellschaft_-_09Felicity Förster hatte ebenso wie Tasmin eine erhebliche Distanz zwischen der eigenen Persönlichkeit und der zu spielenden Rolle zu überwinden. Der Spielleiter konnte aber beobachten, wie sie von Probe zu Probe immer überzeugender in ihre INES hineinwuchs und zum Schluss in Mimik, Gestik und Sprachausdruck so intrigant und so bösartig war, wie es die Rolle von ihr verlangte. Wir können aber mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass Felicity damit nicht zu einer wirklichen „Verdammten“ geworden ist und nicht wie ihre Figur in der Hölle landen wird.

 

 

 

 

 

 

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Unter der Anleitung von Yagmour Dumlupinar, die auch die Musikstücke aussuchte, wurden sechs HipHop-Tanzszenen einstudiert, die den fünf Spielszenen des Sartre-Stücks vorangestellt und an die letzte Szene angefügt werden sollten. Marlen Kuhlmann und Marissa Leister, die in ihrer Freizeit jeweils einem Tanz-Hobby nachgehen, stellten in unserer Aufführung dann zusammen mit Yagmour hinter Picasso-Masken und im höllischen Schwarzlicht die Dämonen dar, die in den drei Figuren des Sartre-Stücks stecken. In einer gelungenen Mischung aus individuellen und kollektiven Tanzfiguren legten die drei Tänzerinnen eine „Choreo“ hin, die die Zuschauer bzw. Zuhörer begeisterte.

Der Spielleiter dankt den sechs genannten Mitwirkenden sowie Delfina Hennig, die bei der Aufführung als Souffleuse mitwirkte, für ihr Engagement und ihre Bereitschaft, sich auf unser Theaterprojekt einzulassen und so viele Sonntagmittage bzw. Sonntagnachmittage für die Proben zu opfern. Vielleicht wird der eine oder andere der Theater-AG des Goethe-Gymnasiums erhalten bleiben.

Im Moment - also Ende Juni 2010 - ist wieder die Rede davon, dass unser Stück noch einmal im Gallus-Theater aufgeführt werden könnte, und zwar im kommenden September. Hoffen wir, dass es wirklich dazu kommt, zumal dann unsere Aula auch weiterhin Teil der Goethe-Baustelle sein wird.

 

Heinz Rogel

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Foto: Theater-AG (Geschlossene Gesellschaft - 14)