Das Fach evangelische Religion

Lange Zeit schien Religion vom kritischen, emanzipatorischen Bewusstsein in ein Winkeldasein abgedrängt. Seit etwa 1968 beobachten wir überall, wie alte und neue Formen der Gläubigkeit aufbrechen und religiöse oder scheinbar religiöse Erscheinungen wieder an die Oberfläche des modernen Lebensgefühls gespült werden. Junge Leute und kritische, aufgeschlossene Menschen, die von der Frage nach dem Sinn ihres Lebens umgetrieben sind, greifen auf alte religiöse Lebensformen zurück, greifen nach der Bibel und entwickeln neue Formen. Dadurch wird ein besonderes Erleben in die kühle Atmosphäre der technischen Zivilisation hineingetragen.
Auch der Religionsunterricht macht es sich bereits in einer langen Tradition zur Aufgabe, das Leben zu identifizieren. Lebenssituationen werden selbst zu Inhalten. Die Ziele des Religionsunterrichts sind darauf ausgerichtet, Schülerinnen und Schüler bei der Bewältigung gegenwärtiger und zukünftiger individueller Lebenssituationen zu unterstützen und sie im Umgang mit diesen zu qualifizieren. Zu diesem Ziel verbalisiert der Religionsunterricht das Leben in seinen vielfältigen Ausprägungen. Wenn wir Schülerinnen und Schüler dazu befähigen wollen, sich mit  gegenwärtigen und zukünftigen Situationen auseinander zu setzen, dann müssen wir diese auch benennen. Dies beinhaltet die Erfahrung, eine Sensibilität zum Leben entwickeln zu können. Zum Fach „Religion“ gehören demnach auch Unterrichtsbereiche, in denen außerhalb des Schulgebäudes das Leben aufgesucht, beobachtet und erfahren werden kann. Ergänzend können während des Unterrichtes weitere Medien wie Filme und Hörspiele eingesetzt werden, um so in besonderer Weise unterschiedliche Lebenssituationen in Bild- und Tondokumenten darzustellen und an die Schülerinnen und Schüler heranzuführen.
Im evangelischen Religionsunterricht werden Themen miteinander diskutiert, die uns das Leben vorgibt: beispielsweise „Miteinander leben – Mein Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen“, aber auch „ Das Leben mit anderen in kultureller Vielfalt“. Gerade hinsichtlich dieser Thematik nimmt das Goethe-Gymnasium eine herausragende Stellung ein. Hier werden Schülerinnen und Schüler aus mehr als 60 Nationen der Welt beschult. So findet gerade das Thema „Leben global in kultureller Vielfalt“ an unserer Schule eine besondere Beachtung mit einem außerordentlichen Stellenwert. Jede/r Jugendliche ist in bestimmten Phasen seines Lebens auf der Suche nach Orientierung. Es gehört mit zu den Zielen eines Religionsunterrichtes, dass Schülerinnen und Schüler christliche und weltliche Vorbilder finden sollen, um ihre Lebensorientierung dabei in positiver Weise zu beeinflussen und zu stärken. Hier  kann auch die Kritikfähigkeit im Sinne einer ganzheitlichen Bildung beim Schüler gefördert werden.
Des Weiteren soll Raum geschaffen und genutzt werden, Themen zu verbalisieren, die jeden Menschen beschäftigen, beispielsweise: „Wo komme ich her? Wer bin ich? Wer ist Gott und wo finde ich ihn?“ oder „Worin liegt der Sinn meines Lebens?“
Neben ethischen Themen machen aber gerade die Themen den Religionsunterricht interessant, die sich mit der Auseinandersetzung von Religion und Glaubensfragen  beschäftigen. Unserer abendländischen christlichen Tradition entsprechend ist das Thema der Entstehung des Christentums im hessischen Lehrplan verankert. Wir werden im Religionsunterricht die Zeit von Jesus von Nazareth betrachten und zurück verfolgen und viel über sein Leben, sein Umfeld, sein Handeln und Wirken erfahren und eine Verbindung zu unserem heutigen Leben knüpfen. Mit den Schülerinnen und Schülern gemeinsam wird sich eine Entdeckungsreise durch die Bibel eröffnen, um die heilige Schrift besser kennen zu lernen. Sie werden alt- und neutestamentliche Texte über einen Gott finden, der sein Volk befreit und jeden Menschen angenommen hat. Neben dem Judentum werden entsprechend der kulturellen Vielfalt auch wichtige Informationen zu den anderen großen Weltreligionen vermittelt und erlebbar dargestellt.
Unsere Schülerinnen und Schüler am Goethe-Gymnasium gehören den Glaubensrichtungen aller Weltreligionen an, und so entsteht ein lebhafter Dialog darüber.
Das Leben besteht nicht nur aus schönen Zeiten, Freude und angenehmen Ereignissen. Daher sollen Schülerinnen und Schüler auch befähigt werden, sich mit Schicksalsschlägen und Entwicklungskrisen aktiv kritisch auseinander zu setzen und Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten, um diese, relativ unbeschadet, bewältigen zu lernen. Zu diesen Themen gehören u.a. auch Sterben, Tod und Trauer. Es versteht sich von selbst, dass diese Thematik besonders sensibel bearbeitet werden sollte, um die Schüler nicht zu überfordern oder emotional zu stark zu belasten.
Insgesamt soll der Religionsunterricht für die Schülerinnen und Schüler in lebensnaher und nachvollziehbarer Weise gestaltet sein, sie sollen die Möglichkeit haben, sich aktiv einzubringen, kritische Fragen zu stellen und den eigenen Kompetenzbereich zu erweitern.