Wie schon in den letzten Jahren nimmt auch diesmal ein Französischkurs des Goethe-Gymnasiums am „Prix des Jeunes Lycéens Allemands“ teil, welcher ein gemeinsames Projekt der Kulturabteilung der französischen Botschaft in Berlin, des „Bureau de livre de jeunesse“, des Klettverlages, sowie der Leipziger Buchmesse ist. Hierbei erhalten die beteiligten Schüler die Chance, sich selbst einmal als Buchkritiker zu üben und aus fünf vorgeschlagenen Jugendromanen den ihrer Meinung nach interessantesten zu prämieren.

Viele der Autoren erklärten sich in der Vergangenheit und auch dieses Jahr bereit, in verschiedenen Städten Sitzungen abzuhalten, wo sie dann ihre Bücher präsentierten und den Schülern die einmalige Chance boten, offene Fragen zu stellen.
So kam es, dass die Schriftstellerin Martine Pouchain sich am 14.11.08 in der Matthäuskirche gegenüber des Goethe-Gymnasiums einfand, um ihren diesjährig nominierten Roman „Chevalier B.“ vorzustellen.
Dieser handelt von Barnabé, einem jungen Mann, der sein gesamtes Leben auf dem Land verbracht hat und sich unsterblich in die schöne Rosa verliebt. Diese teilt seine Gefühle, zumindest zu Beginn des Romans, aber nicht. Sie zieht nach Paris, um dort ihr Glück als Showtalent zu versuchen, ist dabei jedoch recht erfolglos. In der Zwischenzeit hat Barnabé beschlossen, dass er sie nicht aufgeben kann und beginnt dann, ihr anonyme Liebesbriefe zu schreiben, welche er mit dem Namen Chevalier B. unterschreibt. Außerdem widmet er ihr Heldentaten, die er teils aus Idealismus, teils um sie zu beeindrucken, begeht und die ihm gegen Ende des Buches noch eine Menge Ärger einhandeln werden.
Nach der Lesung eines kurzen Ausschnitts des Romans war es nun am Publikum, der Autorin Fragen zu stellen. Zunächst drehte sich die Diskussion hierbei um die Leitthemen und deren Bedeutung. Zum einen sei „L'amour absolu“ ein Aspekt, der sie immer interessiert habe, berichtete Martine Pouchain und erläuterte, dass sie dies für etwas sehr Seltenes halte, falls es überhaupt existiere. Zum anderen sei sie im Bezug auf Barnabé stark von der Geschichte Don Quichotes inspiriert gewesen, und habe ihm einige Charakterzüge verliehen, wie zum Beispiel sein Durchhaltevermögen. Auch Problematiken wie das heutzutage relativ gestörte Verhältnis des Menschen zur Natur, der Kontrast zwischen Stadt und Landleben und sogar Selbstmord spielen in Chevalier B. eine Rolle.
Sie (die Autorin) halte große Stücke auf Kreativität. Auf die Frage, welche Botschaft das Buch denn vermitteln sollte, antwortete sie nur lachend: „Mais je n'ai pas écrit un tract (Flugzettel, Flyer)!“ Sie möchte den Jugendlichen keinen Vorschlag machen, wie das Buch zu interpretieren sei, sondern jedem selbst überlassen, was er herausliest. Das ist auch ein Grund, weshalb sie das Ende offen gelassen habe.
Nachdem all dies klar gestellt worden war, schien es nun interessant herauszufinden, welche persönlichen Erfahrungen Martine Pouchain überhaupt zum Schreiben angeregt hatten. Laut eigener Angabe war es wohl vor allem die Natur der ländlichen Region in Burgund, die sie beim Schreiben umgab. Diese soll nicht nur Inspiration, sondern auch Quelle der Konzentration und Ruhe, also fürs Schreiben essentiell gewesen sein.
Nachdem ein weiterer Ausschnitt des Romans vorgetragen wurde, entfernte sich das Gespräch etwas von Chevalier B. und sie berichtete Näheres über das Leben als Autorin und ihren persönlichen Weg zur Schriftstellerin.
Martine Pouchain entwickelte schon in früher Kindheit ihr Interesse am kreativen Schreiben. „Schon als kleines Mädchen schrieb ich Gedichte, weil das alle machten“, erzählt sie uns. Später schrieb sie dann für verschiedene kleine Zeitungen Artikel und kurze Geschichten für Freunde und Familie, bis ihr überhaupt der Gedanke kam, einen Roman zu schreiben. Interessiert hakte sie nach, ob auch eine Person im Publikum ähnliche Berufswünsche hege. 
Als Fazit dieser Sitzung bleibt zu sagen, dass es ein interessanter Nachmittag war, und dass es Martine Pouchain durch ihre Offenheit und ihre lustige, sehr jugendzugewandte Art gelungen ist, das Interesse der Schüler zu wecken und sie über ihren Schatten springen zu lassen, an der Konversation, selbst auf französisch, teilzuhaben.
Antonia Oprean, Lilli Christoph-Homberg