Leitfaden für das Betriebspraktikum
Was Praktikum bedeutet
Betriebspraktika werden im Rahmen des Bildungs- und Erziehungsauftrages der Schulen durchgeführt, um den Schülerinnen und Schülern exemplarisch Einblick in das Arbeits-, Berufs- und Wirtschaftsleben zu vermitteln. Betriebspraktika ermöglichen unmittelbare Erfahrungen und Beobachtungen in einer realen Arbeitssituation, die zu einer eigenen, überlegten Berufswahlvorbereitung und –entscheidung beitragen.
Wegen der Vielzahl der nach Praktikumsplätzen nachfragenden Schulen und Jugendlicher koordiniert die AG Betriebspraktikum in Frankfurt die Vergabe der Plätze und der Termine zwischen den Schulen und ca. 3000 Betrieben.
Persönliche Voraussetzungen
Um ein Praktikum zu absolvieren, muss man bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Wenn du beispielsweise in einer Firma dein Praktikum machst, die sich mit Computern beschäftigt, solltest du gewisse Vorkenntnisse im Umgang mit Computern besitzen. Überlege dir, wofür du dich interessierst oder was dein Hobby ist. Fällt Dir dazu nichts ein, dann suche nach einem Praktikumsplatz, der dir möglichst viele selbstständige Tätigkeiten ermöglicht. Frage Mitschüler aus den höheren Klassen um Rat.
Erwartungen formulieren
Im ersten Moment wirst du dich vielleicht fragen, wozu man eigentlich diese Erwartungen formulieren sollte. Es wird dir einmal helfen, einen geeigneten Platz zu finden und außerdem wird es dir deine Auswertung des Praktikums erleichtern, die du am Ende schreiben musst. Dort kannst du dann die Erwartungen überprüfen und mit dem vergleichen, was du erlebt hast.
Ganz wichtig beim Formulieren von Erwartungen ist, dass du dich hinsetzt und genau darüber nachdenkst, was für dich wichtig ist. Das könnte zum Beispiel sein, dass du herausfinden willst, ob der Beruf, den du dir ausgesucht hast, der richtige für dich ist, ob er wirklich so toll ist, wir du dachtest. Vielleicht erwartest du, dass du besonders viel über ein gewisses Thema erfährst, etwa wenn du im Forschungsbereich in der Medizin tätig sein wirst. Vielleicht willst du auch wissen, wie es ist, als „Arbeiter“ nach Hause zu kommen und weniger Freizeit zu haben. Es könnte aber auch sein, dass du ganz einfach einen Einblick in das Berufsleben bekommen möchtest, um zu erfahren, ob es wirklich sooo schlimm ist, wie du dachtest.
Einen Praktikumsplatz finden
Um einen Praktikumsplatz zu finden, musst du suchen. Aber wo fängt man damit an?
Natürlich kann es sich jeder leicht machen und bei Freunden und Verwandten nachfragen. Das ist aber eigentlich nicht der Sinn des Betriebspraktikums, denn das beginnt bereits mit der „Arbeitsplatzsuche“. Hast du dich nach langem Überlegen für einen Berufszweig entschieden, dann brauchst du also einen Betrieb, in dem dieser Beruf ausgeübt wird und der Praktikanten beschäftigt. Zunächst kannst du versuchen, solche Betriebe im Telefonbuch oder im Internet zu finden. Kommst du aber nicht wirklich weiter, dann wende dich an die Agentur für Arbeit oder die Industrie- und Handelskammer (IHK), deren Kontaktdaten du auch im Internet findest. Hier kannst du dann telefonisch oder per e-mail erfragen, in welchen Betrieben du deinen Traumberuf ausüben kannst. Hast du dann endlich eine Telefonnummer in der Hand, wird es aufregend. Du musst anrufen. Bewerbungen per e-mail werden zwar immer moderner, empfehlen wir dir als Schüler aber nur dann, wenn du auf der Internetseite des Unternehmens ausdrücklich dazu aufgefordert wirst, auf diesem Wege Kontakt aufzunehmen. Das nun folgende Telefonat ist nun wirklich kein Gespräch wie das mit deinem Freund ist oder deiner Schwester. Zunächst holst du dir einen ordentlichen Zettel und einen Stift, denn du musst vielleicht wichtige Informationen notieren. Und dann: Höflichkeit! Stell dich mit Vor- und Zunamen vor und sage was du möchtest. Z.B.: “Guten Tag, mein Name ist Steffen Freundlich und ich möchte mich erkundigen, ob ich bei Ihnen ein Betriebspraktikum als Schüler machen kann…..“ Dann kann es in einem großen Unternehmen sein, dass du weiter verbunden wirst, weil du in der Telefonzentrale gelandet bist. Du wiederholst dann deinen Spruch noch einmal und bist nicht genervt, weil der neue Gesprächspartner dich wieder nach deinem Anliegen fragt, sondern bleibst höflich. Bist du bei dem richtigen Ansprechpartner gelandet und er sagt dir, dass du keine Praktikantenstelle in diesem Unternehmen bekommen wirst, bleibst du immer noch höflich, bedankst dich und legst auf. Was du dann sagst, na ja…. Du wiederholst diese Zeremonie also beim nächsten Unternehmen und die freundliche Mitarbeiterin am anderen Ende sagt „Ja“. Was dann? Jetzt kommen Stift und Zettel ins Spiel. Frage, bei wem du dich bewerben sollst. Notiere genau den Namen oder die Abteilung. Erfrage die richtige Anschrift. Und falls du etwas nicht richtig verstanden hast, frage nach – aber höflich: „ Entschuldigung, ich habe ihren Namen nicht verstanden. Können Sie ihn noch einmal wiederholen (oder buchstabieren)?“ Jetzt verfasst du also ein Bewerbungsschreiben, einen Lebenslauf, lässt Passbilder machen, legst eine Bewerbungsmappe an und schickst alles ab. Eine abgeschickte Bewerbung ist aber noch keine Zusage. Vielleicht bekommst du eine Absage, dann fängt der Spaß von vorne an. Vielleicht bekommst du aber auch einen Vorstellungstermin. Dazu gleich mehr. Vielleicht hörst du aber auch lange nichts und dein Lehrer löchert dich schon, was dein Praktikumsplatz macht. In diesem Falle rufst du nach einer angemessenen Zeit an und erkundigst dich, ob sich das Unternehmen schon entschieden hat. Hier kommt wieder dein Notizzettel vom ersten Telefonat zum Einsatz, denn du hast dir ja Telefonnummer und Ansprechpartner sorgfältig notiert und diesen Zettel auch so aufgehoben, dass du ihn wieder findest. Aber was ist eine angemessene Zeit? So etwa drei bis vier Wochen nach dem Absenden. Woher weißt du aber, dass die vorbei sind? Richtig, du hast dir eine Kopie des Bewerbungsschreibens gemacht und diese sorgfältig in die Praktikumsmappe gesteckt. So, und nun zum Bewerbungsgespräch. Keine Angst, die meisten Praktikumsstellen werden ohne ein Bewerbungsgespräch vergeben. Es ist aber trotzdem sinnvoll, darauf vorbereitet zu sein, seinen künftigen Kollegen und Vorgesetzten sagen zu können, warum man gerade dort ein Praktikum macht oder machen möchte. Auch hier gilt wieder: Höflichkeit! „Ich hab nix anderes gefunden..“ oder „ Ich wohn grad’ um die Ecke…“ unterstreichen nicht gerade deine Motivation. Denke also vor dem Gespräch über folgende Fragen nach:
- Warum willst du gerade hier ein Praktikum machen?
- Was erwartest du von deinem Praktikum?
- Hast du schon einen Berufswunsch?
- Kennst du dich mit bestimmten Dingen gut aus?
- Wie bist du auf diesen Betrieb gekommen?
- Was möchtest du in deinem Praktikum lernen?
Wenn es dir hilft, mach dir Stichpunkte oder Notizen, die du aber nicht als Spickzettel während des Gesprächs benutzen darfst. Und auch hier gilt wieder: Sagt der Chef nach dem Bewerbungsgespräch „Nein“, dann bleibst du höflich, bedankst dich, gehst aus der Firma, lässt deinen Gefühlen erst mit einem Abstand von mindestens 200 Metern freien Lauf und beginnst wieder von vorne. Sicherlich hast Du schon bemerkt, dass in diesem Leitfaden ein wichtiger Punkt ausgelassen wurde. Du erfährst hier nicht, wie man einen Lebenslauf und eine Bewerbung schreibt. Das hat natürlich einen guten Grund. Dein Deutschlehrer hat bereits in der 8. Klasse versucht, dir das beizubringen und du hast vielleicht ein paar Kleinigkeiten vergessen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen Lebenslauf oder ein Bewerbungsschreiben zu verfassen. Erinnere dich lieber an deinen Deutschlehrer und frage ihn. Wir wollen dich hier nicht mit Vorschlägen verwirren, die du noch nie gesehen hast. Man kann auch im Internet Vorschläge finden, aber Vorsicht! Die meisten Beispiele für die Gestaltung einer Bewerbung oder eines Lebenslaufs sind auf Menschen zugeschnitten, die bereits eine Ausbildung abgeschlossen und zahlreiche Kenntnisse erworben haben. Du warst aber nur auf der Grundschule und im Gymnasium und kannst unter „Besondere Fähigkeiten“ gerade mal Grundkenntnisse am PC und vier Jahre Schulenglisch vorweisen. Dann sehen solche Unterlagen schnell „verhungert“ aus. Überwinde dich also, stell dich vors Lehrerzimmer, warte auf den Deutschlehrer und frage. Übrigens auch beim Lehrer, Höflichkeit…. Und nun, hinein in die Arbeitswelt!
TJ